Scheinselbstständikeit

Was sich seit Jahren auf deutschen Baustellen abspielt, ist schon unfassbar.

Die so genannte Scheinselbstständigkeit kann man auch mit Scheinheiligkeit benennen!

Die Folgen der 2004 eingeführten Novellierung im deutschen Handwerk sind fatal und in einigen Bereichen besonders sichtbar. Der Wegfall der Meisterpflicht (großer Befähigungsnachweis), jetzt Anlage B in einigen Handwerksberufen hatte zu folge, dass explosionsartige Betriebsanmeldungen statt fanden. Der Verlust an Qualität war eklatant. Zu dem waren ein Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen und ein starker Rückgang der Ausbildungsverhältnisse in diesen Berufen zu beobachten. Die Zahl der Ausbildungsbereitschaft sank bis zu 55 Prozent. Die Zahl der Meisterschüler sank sogar bis zu 80 Prozent. Auf der ganzen Welt wird unser duales Ausbildungssystem (Lehrling, Geselle und Meister) bewundert ja beneidet. Wer war für die Abschaffung zuständig?

Seit Jahren wird das deutsche Bauhandwerk von illegalen Billiglohnarbeitern, hauptsächlich aus Osteuropa, als Selbstständige (mit Stundenlöhne von nur 6 – 8 Euro die Stunde) überschwemmt, es kommen leider immer noch unqualifizierte Arbeitskräfte über unsere geöffneten Grenzen. Zumeist arbeiten Sie für größere Firmen als Subunternehmer, oft auch seltsamerweise für Innungsbetriebe, die immer noch auf die deutsche Handwerksordnung pochen! Bei diesen geringen Einkommen sind Abgaben wie Steuern oder Sozialbeiträge Luxus, ja an Hotelkosten ist schon gar nicht zu denken. Menschenunwürdige Verhältnisse auf den Baustellen sind keine Seltenheit, ja, diese Menschen werden wie Sklaven behandelt. Die ortsansässigen Betriebe haben durch einen massiven Preisverfall kaum noch eine Change zu bestehen. Hier wird mehr mit Privatkundschaft gearbeitet. Gerne werden die ortsansässigen Kleinbetriebe (Soloselbstständige) mit einem gepflegten Feindbild als die größten Verursacher der Scheinselbstständigkeit/Schwarzarbeit angesehen. Wobei diese Betriebe doch Steuern usw. zahlen, wo hingegen die Subunternehmer weder eine Steuer oder sonstiges zahlen und Ihre Betriebe nach einem Jahr wieder schließen und sowieso dann nicht mehr greifbar sind.

Meiner Meinung nach ist die Frage, was oder wer genau war damit gemeint? Mit der Scheinselbstständigkeit?

Und was machen unsere Verbände, Innungen, Handwerkskammern, Verbandsvorsitztenden, Obermeister, usw, schweigen, wegschauen, wegducken, wegsehen.

Trotz der unglaublichen Probleme auf unseren Baustellen herrscht eine erschreckende Lethargie und Trägheit der oben genannten Personen und Einrichtungen. Man kann hier schon von einer „Kultur des Schweigens“ ausgehen!

Mit welcher Bereitschaft unsere Esteplishment-Handwerksverbände neue Doktrin hinnehmen, lassen wir uns überraschen.